4.Mose 22:2 – 25:9
Balak – Balak
- Torahlesung: 4.Mose 22:2 – 25:9
- Haftaralesung: Micha 5:6 – 6:8
Übersicht:
- Balak kommt zu Bileam.
- Bileam geht zu Balak.
- Bileam segnet Israel.
- Israel treibt Götzendienst.
Die Geschichte Bileams, ist mit drei vollen Kapiteln einer wichtigsten Einblicke in Gottes Handeln mit Israel, nicht nur im Buch Bamidbar, sondern in der gesamten Torah.
Jeder kennt die Geschichte: Balak, der König Moabs kommt zum Wahrsager Bileam und beauftragt ihn Israel zu verfluchen. Obwohl Gott dagegen ist, geht Bileam.
Auf dem Weg spricht Bileams Esel zu ihm und zu guter Letzt segnet Bileam Israel zum Entsetzen Balaks.
Die Kernaussage der Parasha, um die sich alles aufbaut, sind die Worte Gottes wenn er spricht:
„Du sollst nicht mit ihnen gehen; du sollst das Volk nicht verfluchen! Denn es ist gesegnet!“ (22:12)
Dieser Kernsatz ist eingebettet in der Geschichte Bileam, aber nicht nur das, sondern er ist auch eingebettet in zwei Vorkommnissen von Rebellion des Volkes gegen Gott. Vor den Geschehnissen mit Bileam, haben wir im 4.Mose 21:4-9 den „Zwischenfall“ der ehernen Schlange und direkt nach Bileam, am Ende unserer Parasha in 4.Mose 25:1-9, den Götzendienst des Volkes bei dem 24.000 Menschen ihr Leben verlieren.
Obwohl also das Volk widerspenstig und götzendienerisch ist, spricht Gott inmitten dieser Rebellion und des Ungehorsam: Israel ich stehe zu dir, Israel ich segne dich, Israel ich beschütze dich von außen.
Das ist etwas, was wir mit unserer menschlichen Logik einfach nicht verstehen können. Wie ist es möglich, das Gott ein Volk liebt und beschützt, welches immer und immer wieder gegen ihn ist, seinen Namen untern den Völkern ins Lächerliche zieht und gegen seine Gebote verstößt?
Diese Frage wurde lange nicht verstanden und es entstand die sogenannte Ersatztheologie, die besagt, dass Israel wegen der besagten Halsstarrigkeit von Gott verstoßen wurde und nun die Gemeinde, oder die Kirche Christi, das „wahre“ Israel sei.
Diese Ersatztheologie führte zu den schrecklichsten Judenverfolgungen unserer Geschichte, die im Holocaust ihren bisherigen Höhepunkt fand. Denn wenn Gott dieses Volk bestrafte, hat die „erlöste“ Gemeinde ja wohl das Recht, diese Aufgabe Gottes weiter zu führen, so die Argumentation dieser Ersatztheologie.
Doch diese „Theologie“ hat nichts mit dem Wort Gottes, der Bibel zu tun. Eines der besten Beispiele gegen diese Theologie finden wir in den Segenssprüchen.
Bileam in unserer heutigen Parasha.
1. Segen
Wie soll ich verfluchen, wen Gott nicht verflucht, und wie verwünschen, wen der HERR nicht verwünscht hat? Denn vom Gipfel der Felsen sehe ich es, und von den Höhen herab schaue ich es; siehe, ein Volk, das abgesondert wohnt und sich nicht zu den Nationen rechnet. Wer könnte zählen den Staub Jakobs und der Zahl nach den vierten Teil Israels? Meine Seele sterbe den Tod der Aufrichtigen, und mein Ende sei gleich dem ihren! (4.Mose 23:8-10)
Obwohl Gott das Volk Israel züchtigt, um es letztendlich so zu „erziehen“ wie es sein sollte, verflucht und verwirft er Israel nicht. Israel ist zwar abgesondert, aber nicht verlassen. Israel wird nicht zu den Nationen gerechnet und teilt somit die Welt in zwei „Lager“. Israel auf der einen Seite und die Nationen auf der anderen.
2.Segen
Nicht ein Mensch ist Gott, dass er lüge, noch der Sohn eines Menschen, dass er bereue. Sollte gesprochen haben und es nicht tun und geredet haben und es nicht aufrechthalten? Siehe, zu segnen habe ich empfangen; er hat gesegnet, und ich kann’s nicht wenden. Er erblickt kein Unrecht in Jakob und sieht kein Verderben in Israel; der HERR, sein Gott, ist mit ihm, und Königsjubel ist in ihm.
Gott ist es, der es geführt. Es hat Kraft wie die Hörner des Büffels. Denn es gibt keine Zauberei gegen Jakob und keine Wahrsagerei gegen Israel. Jetzt wird zu Jakob und zu Israel gesagt: Was hat Gott gewirkt! Siehe, ein Volk: wie eine Löwin steht es auf, und wie ein Löwe erhebt es sich. Es legt sich nicht nieder, bis es die Beute verzehrt und das Blut der Erschlagenen getrunken hat! (4.Mose 22:19-24)
Auch Paulus erinnert uns daran, das Gott wahrhaftig, jeder Mensch aber ein Lügner ist. Der Punkt hier ist, dass Gott sein Wort hält. Aber wem hat er denn etwas versprochen? Dem Abraham, Isaak und Jakob! Mit ihnen machte er einen Bund und versprach ihnen, dass ihre Nachkommen in das Land Israel kommen werden.
Ihnen versprach er, dass ihre Nachkommen wie der Staub der Erde sein wird und sowohl zu Abraham als auch zu Jakob sprach er „wer dich verflucht der ist verflucht und wer dich segnet der ist gesegnet“!
Wir müssen verstehen, dass Gott über alle Zeit hinweg sieht. Er kennt nicht nur den Anfang, sondern auch schon das Ende, daher legt er weniger wert auf das “jetzt“. Er sieht Israel nicht so wie es ist, sondern so wie es sein wird. Er hat es erlöst und behandelt es auch so. Genauso uns. Der Herr sieht nicht unseren jetzigen Zustand, sondern sieht uns in dem Zustand, wie wir eines Tages im Himmel vor ihm stehen werden. Nicht als jemand von den Nationen, sondern als jemanden der ein Teil des Hauses Israels ist.
3. Segen
Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel! Wie Täler breiten sie sich aus, wie Gärten am Strom, wie Aloebäume, die der HERR gepflanzt hat, wie Zedern an den Wassern. Wasser rinnt aus seinen Eimern, und seine Saat steht in reichlichen Wassern; und sein König wird höher werden als Agag, und sein Königreich wird erhaben sein. Gott hat ihn aus Ägypten herausgeführt. Er hat Kraft wie die Hörner des Büffels. Er wird die Nationen, seine Gegner, fressen und ihre Gebeine zermalmen, mit seinen Pfeilen sie durchbohren. Er duckt sich, er legt sich nieder wie ein Löwe und wie eine Löwin. Wer will ihn aufstören? Die dich segnen, sind gesegnet, und die dich verfluchen, sind verflucht! (4.Mose 24:5-9)
Gott bestätigt hier zum dritten Mal in der Schrift, das das Versprechen des Segens und des Fluches nicht nur für eine Einzelne Person bestimmt ist, sondern für ein Volk. Hätte er dieses Versprechen nur Abraham gegeben, hätte man es auch auf z.B. die Araber anwenden können. Durch seine Bestätigung dem Jakob gegenüber und nun dem gesamten Volk, wird klar, das jeder Fluch ernten wird, der schlecht gegen Israel reden wird.
Es ist interessant zu beobachten, wie Gott mit gesamten Nationen umgeht, die für oder gegen Israel sind. Ganze Königreiche sind zusammengestürzt, nachdem sie gegen Israel waren. Dazu gehören auch England und Deutschland. Aber wir sehen auch, wie praktisch der Segen Gottes ist, wenn er sieht, das eine Nation Israel segnet.
Westdeutschland, die sich nach dem Holocaust zu Reparationszahlungen verpflichteten, erlebte einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung, während Ostdeutschland, die jede Hilfe an den neuen Staat Israel verweigerten bankrott gingen und noch heute an den Nachwirkungen einer 40 jährigen kommunistischer Herrschaft leiden.
Der Segen Gottes, „Wasser für Israel“ ist heute an jeder Stelle in Israel sichtbar. Während die jüdischen Bewohner durch Betröpfelungsanlagen das Land begrünen und einer der höchsten landwirtschaftlichen Effektivität weltweit nachzuweisen hat, leben die arabischen Nachbarn im Staub, weil sie nicht in der Lage sind, das kostbare Nass zu nutzen.
4. Segen
Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich schaue ihn, aber nicht nahe. Es tritt hervor ein Stern aus Jakob, und ein Zepter erhebt sich aus Israel und zerschlägt die Schläfen Moabs und zerschmettert alle Söhne Sets. Und Edom wird sein Besitz, und Seir wird sein Besitz, seine Feinde; und Israel wird Mächtiges tun. Und einer aus Jakob wird herrschen, und er wird den Überrest aus der Stadt verloren gehen lassen.
(4.Mose 24:17-19)
In dem letzten Segen Gottes über Israel, verheißt er dem Volk den Messias. Dieser Messias wird die Feinde Israels, die auch seine Feinde sind, vernichten.
Interessant ist, dass schon hier klar wird, das sich dieses Ereignis in einer Stadt ereignen wird und der Überrest dieser Stadt umkommen wird.
Offenbarung 19:11-21 beschreibt genau diese Situation.
Zusammenfassung:
An den Segenssprüchen Bileams sehen wir, das Gott sein Volk um seines Wortes Willen nicht verstoßen hat und auch nicht die Absicht hat dies zu tun, den vierte und letzte Segen geht bis in die allerletzten Tage hinein, Tage noch vor uns liegen.
Gott sieht Israel schon jetzt als „perfektes“ Volk, welches ihm als König dienen wird, vor sich. Aus seiner Liebe zu diesem Volk, verläst er es nicht, sondern erzieht es nach seinen Maßstäben. Dabei müssen wir uns darüber im Klaren sein, das die Erziehung eines Volkes etwas anders verläuft als die Erziehung eines einzelnen Kindes.
Das Volk ist eine Einheit, in der das Individuum eine untergeordnete Rolle spielt. Nicht, dass Gott etwa den Einzelnen nicht liebt, oder sich nicht um ihn kümmert, aber er sieht das Ganze. Er möchte, das das Volk heilig ist und als Gesellschaft seinem Weg folgt. Dazu ist es manchmal nötig Teile, einzelne Personen herauszunehmen, damit nicht das ganze Volk umkommt.
Dies Unterscheidet sich nicht von dem Leib Christi, der Gemeinde. Die Gemeinde hat Israel nicht ersetzt, sondern hat es ermöglicht, das Heiden aus den Nationen sich Israel zugesellen können. Damit unterliegen wir den gleichen Segnungen, aber auch den gleichen Warnungen, die uns auffordern heilig zu leben.
So wie Gott Teile des Volkes Israels züchtigte und die Gesellschaft aufforderte das Böse aus der Mitte hinwegzutun, züchtigt er auch die Gemeinde und fordert den Gläubigen auf, das Böse aus seiner Mitte zu entfernen.
Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Unzüchtiger ist oder ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit einem solchen nicht einmal zu essen.
Denn was habe ich zu richten, die draußen sind? Richtet ihr nicht, die drinnen sind? Die aber draußen sind, richtet Gott. Tut den Bösen von euch selbst hinaus! (1.Korinther 5:11-13)
Alle Züchtigung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit. (Hebräer 12:11)