4.Mose 1:1 – 4:20
BaMidbar – In der Wüste
- Torahlesung: 4.Mose 1:1 – 4:20
- Haftaralesung: Hosea 2:1 – 22
Die heutige Lesung besteht im ersten Blick in einer endlosen Auflistung von Namen und Fakten, die von vielen gerne einmal überschlagen werden. Die statistische Erhebung des Volkes Israel hat durch die Jahrhunderte hinweg die verschiedensten Rabbiner veranlasst über diese „Statistiken“ nachzudenken und zu kommentieren.
Das Besondere an dieser Aufzählung der einzelnen Stämme im Volk ist vor allem, das es keinen Grund dafür gibt. Wofür David einige Jahre später bestraft wurde, wird hier von Gott selbst veranlasst.
Warum also war es Gott wichtig jeden einzelnen Namen aufzuschreiben?
Zwei verschiedene Annahmen sind bei bekannten Rabbinern, wie z.B. Nachmanides, als Antworten auf diese Frage bevorzugt.
1) Um dem Volk anhand von Zahlen zu „beweisen“ das Gott seine Versprechen einhält.
Das Versprechen Gottes, sowohl an Abraham als auch an Israel, war das ihre Nachkommen so zahlreich werden würden wie die Sterne am Himmel. Als die kleine Familie Israels dann nach Ägypten ging, um bei Joseph zu wohnen, waren 70 männliche Nachkommen, die in der Bibel verzeichnet wurden. (1.Mose 46:27).
Nun aber, nach dem Auszug aus Ägypten, nach Gerichten und Plagen und anderen „Dezimierungen“ waren es Hunderttausende!
Gott hatte sein Versprechen gehalten und dies sollte nach Meinung der Rabbiner schriftlich festgehalten werden.
2) Um einen Überblick über die Truppenstärke des israelischen Heeres zu erhalten.
Da nur Männer ab einem Alter von 20 Jahren aufgenommen wurden, diente diese Aufstellung als Übersicht für die Heeresverbände, die dann später bei der Einnahme des Landes zur Anwendung kam.
Neben diesen beiden rationalen Gründe für die Zählung, gibt es jedoch auch einen geistigen Grund, der auch im Zusammenhang mit der dieswöchigen Hafatralesung gesehen werden muß.
„Nehmt die Summer der ganzen Gemeinde der Söhne Israel auf nach ihren Sippen, nach ihren Vaterhäusern, nach der Zahl der Namen, alles männliche nach ihren Köpfen!“ (Numeri 1:2)
Obwohl die Zählung die Stärke des Hauses Israels als Ganzes darstellt, kommt es Gott auf den Einzelnen an. Es war ihm wichtig, jeden Einzelnen mit Namen zu erwähnen. Obwohl eine einfache Abzählung aller Männer über 20 genügt hätte, bestimmt Gott jeden einzelnen Namen aufzunehmen.
Dort in der Wüste zeigt uns Gott das wir keine Nummern sind, sondern Personen, das er uns kennt – mit Namen.
Gott der das Volk Israel aus Ägypten erlöste und sich zu Eigentum nahm, nahm sind nicht nur ein Menschenmenge, sondern Individuen. Und das Gewaltige daran ist, das er dies tat, obwohl er wußte, wie sehr ihn Israel verlassen würde um anderen Göttern nachzulaufen.
Wenn ich diese Endscheidung Gottes betrachte, erinnert mich das sehr stark an uns. Gott kennt uns und hat uns beim Namen gerufen, damit wir seinem Auserwählten Messiahs Jesus nachfolgen. Doch immer wieder fallen wir, wie Israel.
Wir treffen unsere eigenen Entscheidungen anstatt Gott zu fragen, wir stellen andere Dinge des Altages höher als den Höchsten, wir sündigen gegen Gott und Menschen.
Trotzdem verläßt uns Gott nicht! Er läuft uns nach und umwirbt uns, ruft uns immer wieder beim Namen. Aber wenn wir ehrlich gegenüber uns selbst sind, müssen wir zugeben, das wir zuerst in eine „Wüste“ geführt werden müssen, damit wir wieder auf Gott hören und ihm nachfolgen.
Daher paßt die heutige Haftaralesung so gut zu dieser Parasha.
Wir die wir einst nicht Volk Gottes genannt wurde, da wir Heiden waren, werden wir heute „Söhne des lebendigen Gottes“ gerufen (Hosea 2:2). Wir, die wir einst fern waren sin nun gerufen und auserwählt.
Aber auch hierzu muß uns Gott zuerst in eine „Wüste“ führen, damit wir uns zu ihm kehren.
„Darum: Siehe, ich werde sie locken und sie in die Wüste führen und ihr zu Herzen reden.. Und dort wird sie willig sein wie in den Tagen ihrer Jugend und wie am Tag, als sie aus dem Land Ägypten heraufzog.“ (Hosea 2:16+17b)