4.Mose 19:1 – 22:1
Hukat – Ordnung
- Torahlesung: 4.Mose 19:1 – 22:1
- Haftaralesung: Richter 11:1-33
Übersicht:
- Die rote Kuh.
- Das Reinigungswasser.
- Miriams Tod.
- Wasser aus dem Felsen.
- Edom stellt sich gegen Israel.
- Aarons Tod.
- Sieg über die Kaaniter.
- Die eherne Schlange.
- Sieg über die Amoriter.
In dieser mit drei Kapiteln recht kurzen Parasha, finden wir in jedem der Kapitel ein Bild auf den Messias. Es sind die rote Kuh, der wasserspendende Fels und die eherne Schlange.
Die rote Kuh (19:1-10)
Obwohl Numeri 19:1-10 die einzigen Verse über die rote Kuh in der Bibel sind, hatte die Asche der Kuh und deren Funktion in der Reinigung des Volkes eine endscheidende Bedeutung in der Geschichte Israels. Die Asche wurde in kleinen Gefäßen im ganzen Land aufbewahrt und diente somit auch fern vom Tempel, wo alleinig Opferung zur Sühnung möglich war, zur Befreiung von Unreinheit.
Zur Zeit des zweiten Tempels wurde Quellwasser und die Asche getrennt aufbewahrt und bei Bedarf vermischt. Verschiedene Kommentatoren gehen davon aus, dass das Wasser, welches Jesus in Kana zu Wein verwandelte, für die Mischung mit der Asche der roten Kuh aufbewahrt war.
Auch nach der Tempelzerstörung im Jahre 70 sind Orte bekannt, wo für einige Zeit das Reinigungswasser der roten Kuh verwendet wurde.
Die Verbindung zwischen dem Opfer der roten Kuh und Jesus zieht der Schreiber des Hebräerbriefes 9:13-14:
„Denn wenn das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer jungen Kuh, aufdie Unreinen gesprengt, zur Reinheit des Fleisches heiligt, wieviel mehr wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist als Opfer ohne Fehler Gott dargebracht hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, damit ihr dem lebendigen Gott dient!“
Aber neben der Reinigung durch das Besprengen, finden wir zwei weitere Parallelenzwischen dem Opfer der roten Kuh und Jesus. Zunächst einmal wurden beide außerhalb des Lager geopfert, um Sühnung für das Volk zu erwirken.
In diesem Zusammenhang ist es einmal interessant darüber zu „spekulieren“ wo denn Jesus gekreuzigt wurde. Die traditionelle, orthodoxe Stätte befindet sich in der Grabeskirche in Jerusalem. Vor etwas über 100 Jahren wurde dann bei Ausgrabungen ein Grab in einem Garten gefunden, das sogenannte Gartengrab, welches hauptsächlich von Evangelikalen als authentische Stätte angesehen wird. In dieser heute parkähnlichen Anlage gibt es einen Aussichtspunkt auf einen Felsen, der schon mit wenig Phantasie als Schädel erkannt werden kann.
Beide Stellen haben neben den „logischen“ Erklärungen ein kleines biblisches Problem. Denn wenn ein Opfer von Gott akzeptiert werden sollte, dann musste es „vor dem Herrn“ dargebracht werden.
„Und er soll das junge Rind schlachten vor dem HERRN. Und die Söhne Aarons, die Priester, sollen das Blut herzubringen und das Blut ringsherum an den Altar sprengen, der am Eingang des Zeltes der Begegnung steht.“ (3.Mose 1:5)
Alle Opferungen mussten „vor dem Herrn“ dargebracht werden damit sie das Gesetz erfüllten. Nach dem Bau des Tempels war „vor dem Herrn“ östlich des Allerheiligen. Obwohl dies nur ein winziges Detail ist, müssen wir uns darüber im klaren sein, dass Jesus die Rechtsforderungen der Torah 100% erfüllt hat, und somit auch dieses kleine Detail.
Aber welche Stelle lag vor dem Herrn und war gleichzeitig außerhalb des Lagers? Der Ölberg, die traditionelle Opferungsstelle für die rote Kuh. Golgatha war nicht der Name eines bestimmten Hügels, sondern die Bezeichnung der höchsten Stelle eines jeden Hügels. Noch heute wird im Hebräischen die Schädeldecke des Kopfes als „Golgatha“ bezeichnet. Während es viele golgathas gab, starb Jesus auf „dem“Golgatha.
Nur vom Ölberg aus hätte man beobachten können, wie der Vorhang des Tempel von oben nach unten durchriss. Nur von dort hätte man beobachten können, wie die Toten aus den Gräbern kamen, denn der älteste israelische Friedhof der Welt bedeckt einen grossteil des Ölberges.
Die letzte Parallele ist der unterschiedliche „Status“ nach der Opferung. Obwohl die Asche der roten Kuh rein machte, wurde der Mann der sie kurz nach der Verbrennung berührte unrein. Auch Jesus hatte zwei „Phasen“ die er durchlaufen musste:
„Jesus spricht zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und eurem Gott!“ (Johannes 20:17)
Obwohl die Kommentatoren darüber diskutieren, warum Maria Jesus nicht anrühren durfte, glaube ich, dass dies etwas mit Unreinheit zu tun hatte. Jesus musste erst vollkommen umgestaltet werden, bis er Menschen Berührungen erlaubte. (wie später z.B. dem Thomas). Wie bei der roten Kuh musste eine Zeit vergehen, bis er den endgültigen Status erreichte, bei dem er gesetzmäßig Menschen von aller Unreinheit befreien konnte.
Der wassergebende Felsen (20:6-13)
Wieder einmal murrte das Haus Israel. Diesmal nach Wasser. Daraufhin befahl Gott, das Mose zu einem Felsen sprechen sollte, damit dieser Wasser gibt. Anstatt zu sprechen, schlägt Mose zweimal auf den Felsen.
Wegen diesem kleinen Unterschied, dürfen er und Aaron nicht in das verheißene Land hinein. Was für eine Strafe! Mose, der in allem Treu gewesen ist, den Gott den demütigsten Mann auf dem Erdboden bezeichnet und mit ihm von Angesicht zu Angesicht spricht, darf das Land nicht sehen, weil er geschlagen, anstatt gesprochen hatte!
Die Strafe mit zwei Gründen erteilt. Erstens hatte Mose Gott nicht geglaubt und zweitens weil er Gott nicht vor den Augen Israels geheiligt hatte.
Das Wunder alleine zählte nicht, Gott zu heiligen, sondern es war der Unterschied zwischen sprechen und schlagen. Aber was war denn das besondere an dem Felsen, das man ihn nicht schlagen durfte?
Der Talmud und andere jüdische Kommentare besagen, dass dieser Fels das Volk in der Wüste begleitete. Es war eine Art rollender Stein, der dem Volk folgte.
Noch heute wird an jedem Sabbat in einem religiösen Haushalt ein Lied gesungen, welches diesen Fels, der Speis und Trank gab besingt. Auch Paulus greift diesen Fels auf:
„und alle denselben geistlichen Trank tranken; denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der sie begleitete. Der Fels aber war der Christus.“ (1.Korinther 10:4)
Obwohl man sich nicht sicher ist, wie Paulus auf die Idee kommt, das dieser Fels der Christus ist, scheint es bei genauerem Hinsehen einleuchtend, denn auch Jesus spricht:
„wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt.“ (Johannes 4:14)
Um an dieses Wasser zu gelangen, muss man glauben das Gott die Quelle des Lebens öffnen wird und zu ihm sprechen (beten). Dadurch das Gott dann die Quelle öffnet und wir unseren Durst nach Leben stillen können, wird sein Name geheiligt.
Die eherne Schlange (21:4-9)
Und schon wieder murrt das Haus Israel. Diesmal sendet Gott Schlangen in das Lager um das Volk zu züchtigen und viele sterben. Durch die Fürbitte Mose schenkt Gott einen Ausweg aus der Plage. Mose macht sich eine Schlange aus Bronze und steckt sie auf seinen Stab. Jeder der nun die Schlange anschaut bleibt, obwohl er gebissen wurde, verschont.
Das Bild der erhöhten Schlange ist schon seit jeher bei christlichen Kommentatoren ein Bild auf den erhöhten Christus. Dennoch bleibt oftmals die Frage „warum denn eine Schlange“ unbeantwortet.
„Und er griff den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist; und er band ihn tausend Jahre.“ (Offenbarung 20:2)
Die Schlange ist in der Bibel ein Bild für den Teufel, der schon im Garten Eden als Schlage kam, um Adam und Eva zu verführen.
Wie kann also die Schlange das Bild auf den Christus sein?
„Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.“ (2.Korinther 5:21)
Jesus der vollkommen ohne Schuld war, wurde als makelloses Lamm Gottes an das Kreuz geschlagen. In diesem Moment wurde er die personifizierte Sünde. Jesus trug die Sünde der gesamten Welt. So wie im Tempel der Sünder seine Hand auf das Opfertier legte, um die Sünde durch das Tier zu töten, so wurden auf Jesus unsere Sünden gelegt, um sie ein für allemal aus der Welt zu schaffen.
Jesus starb beladen mit den Sünden der Welt, als Mörder, Ehebrecher und Dieb. Die Sünde die er trug war so groß, dass selbst Gott sich von seinem Sohn wegwandte, Matthäus 27:46 „um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit lauter Stimme auf und sagte: Eli, Eli, lemá sabachtháni? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Wir sind heute genauso wie das Haus Israel damals in der Wüste. Wir werden von der Schlage, der Sünde, gebissen und sind zum Tode verurteilt. Wenn wir aber auf den schauen, der für uns zur Sünde geworden und für uns schon gestorben ist, dann werden wir leben.
„Deshalb laßt nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.“ (Hebräer 12:1-2)