4.Mose 4:22 – 7:89

Naso – Nehme die Summe

  • Torahlesung: 4.Mose 4:22 – 7:89
  • Haftaralesung: Richter 13:2 – 25

Übersicht:

  • Zählung und Aufgabenverteilung der Leviten.
  • Gebote über Eifersucht.
  • Der Nasiräer Eid.
  • Der Priesterliche Segen.
  • Einweihungsgaben der Fürsten für die Stiftshütte.

Und der HERR redete zu Mose und sprach: Rede zu Aaron und zu seinen Söhnen und sprich:

So sollt ihr die Söhne Israel segnen! Sprecht zu ihnen: Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig!

Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!

Und so sollen sie meinen Namen auf die Söhne Israel legen, und werde sie segnen.

(4.Mose 6:22-27)

Der Priesterliche Segen ist wohl einer der ältesten Segenssprüche überhaupt und wird noch heute in der Synagoge vom Rabbiner über die Gemeinde gesprochen.

Warum ist es eigentlich so wichtig jemanden zu segnen? Reicht es denn nicht vollkommen aus, wenn Gott uns segnet? Wozu brauchen wir denn einen Priester, der über uns diesen Segen ausspricht? Und vor allem, wozu soll denn dieser Segen gut sein, was bedeutet dieser Segen?

Bevor wir uns die Antworten auf diese und noch weitere Fragen anschauen, sollten wir erst einmal feststellen, welche Beziehungen zwischen Segnendem und Gesegnetem existieren.

  • 1.) Zunächst gibt es einmal den Segen, den Gott auf uns Menschen legt. Dieser Segen, wie er auch aussehen mag, wir uns von „oben“ herab als Geschenk gegeben. Die Verteilung des Segens liegt vollkommen in der Hand Gottes und kann nicht verdient werden.
  • 2.) Die zweite vertikale „Segensschiene“ ist die, wenn wir Gott segnen. Obwohl dieses Konzept im Christentum nicht so verbreitet ist, finden wir diese Art des Segens sehr häufig im Judentum. Baruch ata Adonai Eloheinu – Gesegnet bis Du Herr unser Gott – wir zum Eingang von fast jedem Gebet gesprochen. Gott zu segnen ist ihm die Ehre zu geben, zu lobsingen, ihn anzubeten, ihm zu sagen wir gut er ist und was er in unserem Leben tut. Ob wir Gott segnen oder nicht hängt einzig und allein von unserer Entscheidung ab.
  • 3.) Es gibt die „horizontale Segensschiene“, das Segnen der Menschen untereinander. Auch hier liegt es an uns, ob wir unseren Nächsten segnen oder nicht. Dabei ist der Segen mehr ein Gebet an Gott, da wir in unseren Möglichkeiten jemanden wahrlich zu segnen extrem limitiert sind. Nur Gott selbst kann die Fenster des Himmels aufschließen und Segen ausschütten im Übermaß. (Maleachi 3:10)

Wenn wir uns nun unseren Wochenabschnitt anschauen, dann werden wir feststellen, das Gott die Verantwortung des Segens über Israel in die Hand der Priester legt.

So sollt ihr die Söhne Israel segnen! Gebietet er Aaron und seinen Söhnen und bringt damit den Segen auf die horizontale Ebene.

Das Resultat ist „und ich werde sie segnen“. Doch wenn nun die Priester das Volk segnen, wer wird dann von Gott gesegnet? Das Volk, dadurch das die Priester den Segen aussprechen, oder die Priester, die dem Befehl Gottes gehorchen?

Völker sollen dir dienen und Völkerschaften sich vor dir niederbeugen! Sei Herr über deine Brüder, und vor dir sollen sich niederbeugen die Söhne deiner Mutter! Die dir fluchen, seien verflucht, und die dich segnen, seien gesegnet! (1.Mose 27:29)

Dieser Segen wurde von Isaac über Jakob ausgesprochen, der später zu Israel wurde. Übersetzt heißt das: Wer Israel segnet, der ist gesegnet, wer aber Israel verflucht, der wird verflucht sein!

Ich glaube auch, dass das gleiche für die Priester galt. In dem sie Israel segneten wurde ihnen noch einmal versprochen, das sie gesegnet sein würden.

Ist Ihnen eigentlich bewusst, das Sie die gleiche Aufgabe haben?

..und vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt! (1.Petrus 3:9)

Für uns gilt das gleiche Prinzip, wie auch bei den Priestern! Wenn wir andere segnen, werden wir Segen empfangen, frei nach dem Motto Paulus: dem Juden zuerst und dann den Heiden.

Aber mit was sollen wir denn unsere Mitmenschen segnen?

Der HERR segne dich und behüte dich!

Wie schon vorher gesagt, ist unser Segen mehr ein Gebet als ein echter göttlicher Segen. Wir fungieren quasi als „Ausführendes Organ“, wenn wir den Segen Gottes auf unseren Nächsten legen.

Der Segen umfasst alles Gute, welches man sich nur erdenken kann. Finanzieller Erfolg, gesundes Leben, eine gute Ehe, wohlgeratene Kinder etc. Dabei ist der Segen für verschiedene Menschen unterschiedlich. Für einen Läufer ist es ein Segen schnell laufen zu können, für einen Schwimmer jedoch schnell schwimmen zu können.

Unser Gebet, oder Segen ist es also, das Gott unseren Nächsten mit dem ausstattet, was er braucht. Aber nicht nur das. In dem „und behüte dich“ liegt die Erhaltung des Empfangenen. D.h. wir segnen nicht nur für eine einmalige Angelegenheit, sondern bitten Gott, das er das was er gegeben hat auch bewahrt und vor Angriffen von Außen beschützt. Wenn also jemand finanziell gesegnet ist, dann bitten und wünschen wir uns für unseren Nächsten das dies so bleibt. Wenn jemand anderes mit einer hervorragenden Gesundheit gesegnet ist, dann bitten und wünschen wir uns, das dies auch so bleibt und er nicht krank wird.

Der HERR lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig!

Während der erste Abschnitt des Segens mehr auf die materiellen und physischen Dinge des Lebens angelegt sind, ist der zweite Teil mehr auf das geistige ausgelegt.

Jüdische Kommentatoren sehen in diesem Teil den Segen der Torah und der Gebote. In „Bamidbar Rabba XI, 6“ lesen wir:

Der HERR lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig!…. Das ist das Licht der Torah (der Lehre), das ER deine Augen und dein Herz in der Torah erleuchtet und dir gestattet, deine Kinder in der Torah zu lehren, wie gesagt wird: „Denn deine Gebote sind eine Leuchte und die Torah ein Licht“ (Psalm 119:105)

Ich glaube, dass die Rabbiner damit nicht so falsch gelegen haben, denn das Wort Gottes, seine Torah, ist Fleisch geworden (Johannes 1:1ff).

Denn bei dir ist der Quell des Lebens; in deinem Licht sehen wir das Licht. (Psalmen 36:9)

Welches Licht sehen wir, wenn wir in Gottes Licht sind?

Das war das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet. (Johannes 1:9)

Wenn wir Menschen segnen, segnen wir sie mit der Erkenntnis über Jesus, dem Licht der Welt und bitten um Gottes Gnade, dass er sie errettet und sie in das Reich des Lichtes hineinnimmt.

Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!

Der dritte und letzte Teil des Segens umfasst die beiden ersten Teile. Sowohl die Gunst Gottes, wenn er sein Angesicht auf uns erhebt, als auch der Frieder, der höher ist als alle Vernunft.

Welche ein Segen! Kann man einen Menschen mit mehr segnen als mit diesem Segen?

Und so sollen sie meinen Namen auf die Söhne Israel legen.

Mit diesem Segen legen wir den Namen des HERRN auf den Gesegneten. Wir stellen ihn unter seinen Schutz und seine Hand.

Wir sind zum Segnen berufen. Gott möchte, das wir segnen, damit wir gesegnet sein können. Aber wie wir auch schon in vorherigen Lesungen geschrieben haben, verlangt unser Dienst als „Priester“ Gottes etwas von uns. Ein Leben in Gerechtigkeit und Reinheit.

Und dies ist auch so, wenn wir unsere Zunge einsetzten um Menschen zu segnen.

Aus demselben Mund geht Segen und Fluch hervor. Dies, meine Brüder, sollte nicht so sein! Die Quelle sprudelt doch nicht aus derselben Öffnung das Süße und das Bittere hervor? Kann etwa, meine Brüder, ein Feigenbaum Oliven hervorbringen oder ein Weinstock Feigen? Auch kann Salziges nicht süßes Wasser hervorbringen. Wer ist weise und verständig unter euch? Er zeige aus dem guten Wandel seine Werke in Sanftmut der Weisheit!  (Jakobus 3:10 ff)

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