4.Mose 25:10 – 30:1

Pinchas – Pinchas

  • Torahlesung: 4.Mose 25:10 – 30:1
  • Haftaralesung: 1.Könige 18:46 – 19:21

Übersicht:

  • Verheißung für Pinchas.
  • Volkerhebung für die Landverteilung.
  • Regelung für Erbtöchter.
  • Einsetzung des Josua.
  • Wiederholung verschiedener Opferungsregelungen.

Nach einer erneuten Volkszählung, lesen wir über das Gesetz der Regelung des Erbes, bei ausschließlich weiblicher Nachkommenschaft.

Wir möchten die Verse in 4.Mose 27:1-11 einmal als Beispiel benutzen, um ein besseres Verständnis über das Judentum zu erhalten, in dem ja auch unser Herr Jesus aufgewachsen ist.

Wer schon einmal in Israel war, oder sich mit Judaismus auseinander gesetzt hat, wird festgestellt haben, dass das Leben eines religiösen Juden bis auf die kleinste Einzelheit geregelt ist. Diese Regelungen umfassen wirklich ALLE Lebensbereiche, die man sich nur vorstellen kann. Essen, Gebet, Hygiene, Sabbat, Kleidung, Ehebeziehung, Kindererziehung, nichts bleibt ohne Regeln. Und wenn eine Regel fehlt, wird eine gemacht.

Was auf den ersten Blick, gerade für Christen „gesetzlich“ aussieht, ist bei einem religiösen Juden der Ausdruck seines Glaubens an Gott, obwohl es auch solche gibt die die Gesetze halten, „weil man halt Jude ist“.

Es werden heute neben den Geboten der Torah, Hunderte Nebenregelungen und Gesetze gehalten, die nichts mehr mit der Bibel zu tun haben. Um z.b. einen echten koscheren Haushalt zu führen, benötigt man zweierlei Geschirr, zwei Kühlschränke, zwei Spülbecken, jeweils für Fleisch- und Milchgerichte.

Was jedoch für manchen auf den ersten Blick „gesetzlich“ aussieht, ist nichts anderes als das Ende einer Entwicklung, die schon zu Zeiten des Mose angefangen hat und sich neben dem Beispiel der Erbtöchter mit viele andere Bibelstellen belegen lässt.

Um die heutige Situation im Judentum zu verstehen, müssen wir uns erst einmal die Grundlagen der Schrift bis zur Entscheidung über die Erbtöchterregelung ins Gedächtnis rufen.

Jakob der Sohn Isaaks und Enkel Jakobs hatte ein Sohn Josef, welcher nach Ägypten verkauft wird. Dort steigt Josef bis zur zweiten Position im Staate auf und holt bei einer siebenjährigen Dürreperiode seine Familie ins Land, um sie vor dem Hungerstod zu bewahren.

Nach dem Tod Josefs und seines Pharaos, steigt ein Herrscher auf den Thron, der Josef nicht kannte. Dieser versklavt die Nachkommen Jakobs. In dieser Zeit entsteht das Volk Israel. Nach Jahren der Unterdrückung ist jeder Freiheitswille gebrochen. Man arbeitet unter den härtesten Bedingungen und folgt tagein tagaus den Anweisungen der ägyptischen Sklaventreiber.

Durch Mose führt Gott diese Sklaven heraus aus Ägypten. Und hier beginnt das „Problem“! Man schätzt, dass das Volk Israel mit Frauen und Kindern in der Zwischenzeit auf mindestens 2 Millionen Menschen angewachsen ist. Diese erlangen von heute auf morgen die Freiheit. Es ist keiner mehr da, der sagt was zu tun ist. Keine Regeln, keine Ordnungen, herausgerissen aus der gewohnten Umgebung, hinein in die Wüste.

Um das Überleben dieses Volk zu sicher, schließt Gott auf dem Berg Sinai nicht nur einen Bund mit dem Volk, sondern er gibt ihnen auch die Torah. Anstatt den weltlichen Anweisungen des Sklavenhauses Ägypten zu folgen, ist Teil des Bundes, den Anweisungen Gottes zu folgen, der Lehre Gottes, der Torah.

Heute würden wir diese Regelung als Grundgesetz bezeichnen. Die grundsätzliche Ordnung eines gesellschaftlichen Zusammenlebens untereinander und in der Beziehung mit Gott. Das ist die Torah!

Nachdem aber die Torah gegeben wurde, entstanden juristisch gesehen verschiedene Fallbeispiele, die nicht von den grundsätzlichen Regelungen abgedeckt waren, wie in unserem Beispiel der Erbtöchter.

Das Erbrecht war zu diesem Zeitpunkt relativ klar. Die Söhne teilten das Erbe untereinander auf, während der Erstgeborene den doppelten Anteil erhielt. Wie wichtig dieses Erstgeburtsrecht war, sehen wir am Beispiel Esaus und Jakobs. Neben dem allgemein bekannten und gültigen Gesetz trat aber nun eine Sondersituation auf, die bisher nicht vom „Grundgesetz“ abgedeckt war.

Fünf Schwestern kommen zu Mose und verlangen Klärung bezüglich des Erbbesitzes ihres Vaters, der ohne männliche Nachkommen war. Mose, der bisher das gesamte Gesetz dem Volk überreichte, fand aber in dem vorliegenden Gesetz keine Regelung, welches diese Sache geklärt hätte.

Das Ergebnis, war, das Mose zum Herrn ging und dieser eine neue „Verordnung erließ“, die wiederum zur Torah hinzugezählt wurde. Es kam also dazu, dass nach und nach weitere Lösungen zu rechtlichen, religiösen und zwischenmenschlichen Angelegenheiten gesucht werden mussten.

Auch heute, haben wir in z.b. im deutschen Rechtssystem ein gleiches Verfahren. Obwohl es das Gesetz gibt, treten Fälle auf, die aufgrund persönlicher Ereignisse, wirtschaftlichen Veränderungen und vor allem technischen Errungenschaften neu beleuchtet werden müssen. Ohne das Gesetz abzuändern, werden Grundsatzurteile gesprochen, die Gesetzescharakter haben, da sie als Fallbeispiel wegweisend für weitere ähnliche Fälle dienen.

Gott war niemals daran interessiert unser Leben bis in die kleinste Einzelheit zu planen. Er gab uns zwar einen Wegweiser der in eine Richtung wies, aber keine Schiene auf der wir einen bestimmten Weg fahren mussten. Obwohl der Weg des Gerechten schmal ist, so läst er doch individuelle Abweichungen zu. Es kommt auf die Herzenseinstellung an, ob ich Gott liebe oder nicht.

Dennoch tauchten im Laufe der Zeit immer mehr Frage zu allen Bereichen des Lebens auf und die Menschen suchten nach Antwort. Anstatt direkt auf Gott zu hören, der ja zu ihnen persönlich sprechen wollte, erwählte sich das Volk Leiter, durch die Gott indirekt zu ihnen sprechen sollte.

Und das ganze Volk nahm den Donner wahr, die Flammen, den Hörnerschall und den rauchenden Berg. Als nun das Volk das wahrnahm, zitterten sie, blieben von ferne stehen und sagten zu Mose: Rede mit uns, dann wollen wir hören! Aber Gott soll nicht mit uns reden, damit wir nicht sterben. (Exodus 2:18-19)

Aus den zehn Geboten wurden einige mehr, aus den weiteren das ganze Buch Levitukus und daraus endlose Kommentare über Fälle und Eventualitäten.

Schon Mose fing an das Gesetz, welches er von Gott erhalten hatte, auszulegen, da er keine Antworten auf die Fragen des Volkes hatte:

Jenseits des Jordan, im Land Moab, fing Mose an, dieses Gesetz auszulegen, indem er sprach.. (5.Mose 1:5)

Aber es geht weiter:

Und du sollst zu den Priestern, den Leviten, kommen und zu dem Richter, der in jenen Tagen sein wird, und dich erkundigen; und sie werden dir den Urteilsspruch verkünden. Und du sollst dem Spruch gemäß handeln, den sie dir verkünden werden von jener Stätte aus, die der HERR erwählen wird, und sollst darauf achten, nach allem zu handeln, was sie dich lehren werden.

Dem Gesetz gemäß, das sie dich lehren, und nach dem Recht, das sie dir sagen werden, sollst du handeln. Von dem Spruch, den sie dir verkünden werden, sollst du weder zur Rechten noch zur Linken abweichen. Der Mann aber, der in Vermessenheit handelt, daß er nicht auf den Priester hört, der dasteht, um dort den Dienst des HERRN, deines Gottes, zu verrichten, oder auf den Richter: dieser Mann soll sterben. Und du sollst das Böse aus Israel wegschaffen. Und das ganze Volk soll es hören. Und sie sollen sich fürchten und nicht mehr vermessen handeln. (5.Mose 17:9-13)

Nicht nur Mose legte das Gesetz aus, sondern auch nachdem die Kinder Israels in das verheißene Land kamen legten die Priester, die Richter und die Leviten das Gesetz aus. In jeder Generation mit ihren speziellen Problemen wurden Antworten auf die Fragen der Zeit gefunden.

Durch die Androhung der Todesstrafe, bei Ablehnung der Auslegung der eingesetzten Personen, stellt Gott die Rechtsendscheidung dieser Personen auf die gleiche Stufe, wie sein eigenes Gesetz.

Durch die Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 trat für den religiösen Juden, damals wie heute ein großes Problem auf. Wie sollte ich der Forderung nach Sühnung durch Opferblut gerecht werden, wenn ich keinen Tempel mehr habe, an dem ich das Opfer darbringe?

Das Judentum spaltete sich zu dieser Zeit in zwei Gruppen, welche die Zerstörung Jerusalem überlebt hatten. Die Pharisäer unter der Leitung von Rabbi Ben Zakkai und den Messianischen Juden, welche an Jesus als ihren Messias glaubten.

Während die Messianischen Juden daran glaubten das Jesus das perfekte Opfer war und ist, welches die Sünden der Welt hinwegnahm und somit kein weiteres Opfer mehr erforderte, trat für die Pharisäer an die Stelle des Opfers Gebet. Während die Messianischen Juden in den stärker aufkommenden Heiden untergingen, blieb das Pharisäertum von damals bis auf den heutigen Tag erhalten.

Der heutige Rabbiner, entscheidet für die Gemeinde, welches Gesetz wie angewandt wird. Dies nennt man dann Halacha, übersetzt „der Weg“, oder „auf dem Weg“. Unglücklicherweise ging durch die Übernahme des Messianischen Movements durch die Heiden der biblisch geprägte Charakter über das Gesetz Gottes verloren.

Das Apostelkonzil zu Jerusalem in der Apostelgeschichte 13 ist das einzige neu-testamentarisches Protokoll eines Meetings, wo geltendes israelisches Gesetz per Entschluss der eingesetzten Autoritäten geändert wurde.

Während auch heute noch im Judentum Gesetze verabschiedet werden, die als Autorität Gottes angesehen werden, haben sich weite Teile der Christenheit, die „frei vom Gesetz“ sind von solchen Aktivitäten verabschiedet.

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