1.Mose 25:19 – 28:9
Toldoth – Entstehungsgeschichte
- Torahlesung: 1.Mose 25:19 – 28:9
- Haftaralesung: Maleachi 1:1 – 2:7
Übersicht:
- Die unfruchtbare Rebekka bekommt Zwillinge
- Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht
- Isaak und Abimelech
- Brunnenstreit
- Esaus Frauen
- Isaaks Segen für Jakob und Esau
- Jakob zieht nach Haran
- Haftara: Gott liebt Jakob (Israel)
Das hebräische Wort „toldoth“, der Name der heutigen Lesung, wird über 90 mal im Alten Testament erwähnt. Während das Wort fast immer mit „Geschlechtsregister“ oder „Geschlechterfolge“ übersetzt wird, bedeutet es doch vielmehr, „Entstehung“ oder „Entstehungsgeschichte“. Entstehung beschreibt das „produzieren und hervorbringen von Jemandem und dessen Resultaten“ Obwohl Gott mit vielen Menschen einen Plan hatte, waren sie nicht fähig sich zur Ehre Gottes zu „reproduzieren“ und geistiges hervorzubringen, sondern haben sich ausschließlich physisch, d.h. durch Kinder vervielfältigt, ohne geistige, wertvolle und bleibende Frucht zu hinterlassen. Beispiele sehen wir z.B. an der Entstehungsgeschichte Adams in 1. Mose 5.
Die Entstehungsgeschichte Isaaks ist anders. Er produziert sich nicht nur physisch durch viele Nachkommen, sondern vor allem „geistig“ mit nur zwei Nachkommen, die ähnlich wie bei Abraham das fleischliche (Esau und Ismael) und das geistige (Jakob und Isaak) symbolisieren. 1.Mose 26:19 ist der Anfang der Entstehungsgeschichte Isaaks, die damals begann und bis in die Gegenwart reicht.
Isaaks Leben verläuft in vielen Parallelen zum Leben seines Vaters Abraham.
- Seine Frau ist zunächst unfruchtbar und gebärt nur durch das Eingreifen Gottes. ( 25:21)
- Durch eine Hungersnot lebt er unter einem fremden König. (26:1)
- Er schließt einen Vertrag mit Abimelech.
- Er gibt seine Frau als Schwester aus. (26:7)
- Er wurde sehr reich. ( 26:13)
- Er gräbt die Wasserbrunnen seines Vaters aus und gibt ihnen den gleichen Namen. (26:18)
- Seine Söhne „trennen“ sich.
Während jeder dieser einzelnen Punkt eine tiefer gehende und symbolische Bedeutung hat, wollen wir uns nur auf einen konzentrieren.
„Und Isaak grub die Wasserbrunnen wieder auf, die sie in den Tagen seines Vaters Abrahams gegraben und die die Philister nach Abrahams Tod verstopft hatten; und er gab ihnen (dieselben) Namen, wie die Namen, die ihnen sein Vater gegeben hatte.“ (1.Mose 26:18)
Wer schon einmal in Israel gewesen ist, wird sich über die Entscheidung der Philister wundern. Einer sehr kurzen Regenzeit zwischen November/Dezember bis März, folgt ein heißer und langer Sommer. Gibt es in einem Jahr weniger Regen, kann es im folgenden Jahr zu einer Hungersnot durch Dürre kommen, wie in den Tagen Isaaks (26:1)
Daher bedeutet der Besitz eines Brunnens Leben, der das lebenswichtige Wasser sammelt und in der Zeit der Dürre ausgeschöpft werden kann. Dennoch verstopften die Philister die Brunnen Abrahams. Warum?
Eine einleuchtende Erklärung gibt uns ein Torah Kommentator aus dem 19. Jahrhundert, Jacob Zvi Mecklenburg.
In der Zeit der Patriarchen war es üblich seinen Lagerplätzen, Altären oder anderen Orten Namen seiner Götter zu geben. Abraham war der Vertreter des wahren Gottes, der inmitten der Vielgötterei aufsehen erregte. Abraham kannte Gott unter vielen Namen wie z.b. Jehovah Jireh (der HERR wird ersehen) oder El Shaddai (Gott der Allmächtige) und er gab verschiedenen Plätzen diesen Namen. (siehe 1.Mose 22:14)
Der Kommentator geht davon aus, das Abraham als quasi „Missionar“ für den Herrn unterwegs war, um die Wahrheit von dem einen und einzigen Gott zu verbreiten. Der beste Weg war es den Charakter und die Namen Gottes, also sein Wesen, mit etwas zu verbinden, was Leben spendet – Brunnen.
Jedes Mal wenn jemand zu einem Brunnen Abrahams ging, ging er zu „Der Herr sieht mich“, oder „Gott der Allmächtige“.
Denjenigen die tief in Götzendienst verstrickt waren, warteten auf den Augenblick wo Abraham stirbt, um dann die Brunnen und damit das Andenken Gottes auszulöschen. Zu Lebzeiten Abrahams war dies undenkbar, da Abraham eine zu große (Streit) Macht darstellte. Dennoch hatte man nach dem Tod Abrahams Erfolg die Brunnen zu verschließen.
Isaak, der in die Fußstapfen des Vaters getreten war richtet nun das Zeugnis Gottes wieder auf, indem er die Brunnen wieder öffnet und ihnen den gleichen Namen gibt.
Soweit der Kommentator des 19. Jahrhunderts. Es ist interessant, das sich die Geschichte in unserer heutigen Zeit wiederholt.
Isaak hatte einen Sohn Jakob, der in Israel umbenannt wurde. Vor fast zweitausend Jahren wurde Israel aus seinem Land durch die Römer vertrieben und kommt erst Ende des 19.Jahrhunderts wieder in das Land zurück. Das Land liegt um das Jahr1850 fast vollkommen verwüstet da.
Die Brunnen waren verschlossen und das Land menschenleer. Der Name Gottes wurde fast vollständig aus dem Land ausgetilgt. Eine erste Welle von Einwanderern baut diese Brunnen von neuem auf.
Wie damals von Abimelech (26:16), wurde das Volk Israel in unserer Zeit vertrieben. Verfolgung, Vertreibung und Progrome verfolgten sie, bis sie wieder ein zu Hause fanden im dem Land, welches Gott ihnen verheißen hatte.
“Und er brach von dort auf und grub noch einen anderen Brunnen, und um den stritten sie sich nicht. Da gab er ihm den Namen Rechovot und sagte: Denn jetzt hat der Herr uns weiten Raum geschafft, und wir werden fruchtbar sein im Land.“ (1.Mose 26:22)
Um ca. 1890 wurde Rechovot in der Nähe von Jaffa gegründet, heute eine Stadt mit ca. 250.000 Einwohnern. Gott hat Israel Raum geschaffen und es wahrhaft fruchtbar gemacht in seinem Land.
Damals waren es die Namen der Brunnen, die Anstoß erregten, weil sie auf den zeigten der alles geschaffen hatte. Heute ist es der Brunnen selbst der Anstoß erregt — Israel und in seinem Zentrum die Quelle, die das lebendiges Wasser ist und bereitwillig jedem gibt der davon trinken möchte: Jesus.
„Es war aber dort eine Quelle Jakobs (Israels). Jesus nun….setzte sich ohne weiteres an die Quelle nieder. …und sprach zu ihr: wenn du die Gabe Gottes kenntest und wüßtest, wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken! So hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.. Jedem der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten, wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, was ich ihm geben werde, wird in ihm ein Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt….“ (Johannes 4:6-14)
Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke! Wer an mich glaubt wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. (Johannes 7:37)