2.Mose 30:12 – 34:35
Ki Thisa – Wenn du nimmst
- Torahlesung: 2.Mose 30:12 – 34:35
- Haftaralesung: 1.Könige 18:1 – 39
Übersicht:
- Hebopferabgabe.
- Waschbecken.
- Salböl.
- Räucherwerk.
- Berufung Bezaleels.
- Erneutes Sabbat Gebot.
- Gott gibt Mose die Tafeln des Bundes.
- Das goldene Kalb und dessen Folgen.
- Mose bittet für Israel.
- Mose begehrt die Herrlichkeit Gottes zu sehen.
- Neue Tafeln des Bundes.
- Gott erneuert seinen Bund mit Israel.
- Herrlichkeit Gottes auf Gesicht Mose.
- Haftara: Elija und die Propheten Baals.
Die Lesung dieser Woche beginnt mit dem Abschluß der Beschreibung der Geräte und Utensilien für die Stiftshütte, deren Bedeutung wir schon in der letzten Woche behandelten.
Nach der Berufung Bezaleels als obersten Künstler, der die Geräte für die Stiftshütte anfertigen sollte und der erneuten Erinnerung an die Einhaltung des Sabbats, folgt einer der bekanntesten Geschichten aus dem Alten Testament. Der Tanz um das goldene Kalb.
Bevor wir uns diesem Abschnitt der Torah widmen, sollten wir uns kurz die Wichtigkeit Bezaleels für uns heute anschauen. Im Allgemeinen haben Christen ein gewisses Bild eines Dieners Gottes.
Da gibt die “Laien” und diejenigen im “vollzeitlichen Dienst”. Die “Laien” sind diejenigen, die zwar verschiedene Funktionen ausführen, aber nicht über eine kirchlich anerkannte Ausbildung verfügen.
Die “Vollzeitlichen” sind dann diejenigen, die über besagte Ausbildung verfügen und sich in einem “geistlichen” Beruf befinden. Zu diesen “Berufen” gehören Prediger, Pastoren, Missionare, Bibellehrer etc. Bezaleel jedoch zeigt uns, das wir mit dem was wir haben, dem Herr vollzeitlich dienen können, weil wir von Ihm berufen sind.
“Siehe, ich habe mit Namen berufen Bezaleel, den Sohn Uris, des Sohnes Hur, vom Stamme Juda, und habe ihn erfüllt mit dem Geist Gottes, mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und mit allerlei Geschicklichkeit…” ( 2.M.31:2-3)
Ich habe Menschen kennengelernt, die sich neu für Jesus entschieden hatten und plötzlich den Wunsch hatten in den ”vollzeitlichen” Dienst zu gehen, ohne ein Vorstellung darüber zu haben, was das eigentlich heißt. Bezaleel zeigt uns, dass egal was wir als Beruf (kommt von Berufung) haben, wir Gott dienen können, da ER es letztendlich gewesen ist, der uns mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und Geschicklichkeit ausgestattet hat, diesen Beruf auszuüben.
Unser Beruf als Bankkaufmann, Steuerberater, Tellerwäscher, Straßenfeger, Verkäufer, Mechaniker oder Bäcker ist genau so viel wert, wie die Berufung als Pastor, Missionar oder sonstige “geistlichen” Berufe, da Gott derjenige gewesen ist, der uns in diesen Beruf hineingestellt hat und er in diesem Beruf verherrlicht werden kann und möchte.
Nun zu der Geschichte mit dem goldenen Kalb.
Jedesmal wenn ich diesen Abschnitt lese, frage ich mich “warum?”. Wie konnte es sein, daß Israel die gerade aus der Knechtschaft entlassen wurden, mächtige Wunder Gottes gesehen haben, Gott auf den Berg herabkommen sahen und sitzen sehen, all diese Dinge erlebt haben und dennoch treulos an Gott handelten? Nun könnte man Israel beschuldigen “halsstarrig” zu sein (33:3+5) und da Gott selbst dies sagt, möchte ich auch nichts beschönigen, aber dennoch wollen uns diese Verse mehr sagen, als das Israel halsstarrig ist.
Ich glaube, daß das was wir lesen, ein Spiegelbild unseres eigenen Zustandes ist.
1. Problem – Wir können nicht warten.
“Da aber das Volk sah, daß Mose verzog, von dem Berge zu kommen, sammelte sich’s wider Aaron und sprach zu ihm: Auf, mache uns Götter, die vor uns her gehen! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus Ägyptenland geführt hat.” (32:1)
Das Wort “Instant” ist Teil unserer Kultur geworden. Alles muß sofort – instant geschehen. Instant Kaffee, Instant Suppe, Sofort-Kredit, sofortiger Segen, Instant Heilung. Viele von uns können nicht ertragen, wenn Gott sich Zeit nimmt, um etwas zu erreichen.
Jeder von uns geht durch Zeiten der Prüfung, durch die Täler des Lebens, wo es einmal nicht so gut läuft. Ein Geliebter stirbt, die Finanzen stimmen nicht, man verliert seine Arbeitsstelle, man wird von einem Mitglied aus der Gemeinde verleumdet. Unzählig sind die Situationen, wo Gott uns auffordert “Warte hier an dieser Stelle bis ich eingreife und Hilfe sende.”
Aber wir können nicht warten und schon kommt das:
2. Problem – Wir machen uns eigene Götter.
“Da riß alles Volk seine goldenen Ohrenringe von ihren Ohren, und brachten sie zu Aaron. Und er nahm sie von ihren Händen und entwarf’s mit einem Griffel und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägyptenland geführt haben!” (32:3-4)
Für die Israeliten damals war es ein goldenes Kalb, welches gemacht und angebetet wurde. Heute sind es andere Dinge, die gemacht und angebetet werden. Das Spektrum ist nahezu unerschöpflich: Marien- und Heiligenbilder, Kreuze, bekannte Prediger, Lehraussagen von bestimmten Personen, die eigene Intelligenz und das eigene Können, Geld, Fernsehen, Drogen und die Liste ließe sich unendlich fortsetzen, denn alles kann uns zum Gott werden und angebetet werden.
Viele von uns wollen Dinge haben, die vor uns her gehen (s.o.), damit wir nicht den Wegen Gottes folgen müssen, die manchmal höher sind als alle Vernunft. (Phil. 4:7).
Weil wir uns diese eigenen Götter errichten folgt das:
3. Problem – der Moralische und sittliche Verfall.
“Und sie standen des Morgens früh auf und opferten Brandopfer und brachten dazu Dankopfer. Danach setzte sich das Volk, zu essen und zu trinken, und standen auf zu spielen.” (32:6) (unter “spielen” ist sexuelle Unmoral gemeint) Wenn ich mich umschaue, bin ich entsetzt, über den moralischen und sittlichen Verfall unserer Gemeinden. Dabei spreche ich noch nicht einmal über solche “Kleinigkeiten” wie Steuerhinterziehung, Lüge, Raubkopieren von Software usw. sondern z.B. von unehelichen Kinder von Gemeindemitgliedern, Homosexualität und Ehebruch unter denen die sich Christen nennen und aktiv am Gemeideleben teilhaben.
In dem Moment wo wir nicht mehr auf Gott warten und hören wollen, folgt logischerweise die Konsequenz, das wir unsere eigenen Götter aufrichten, welches wiederum zu Folge hat, das wir anderen Gesetzen gehorchen als die des Schöpfers des Himmel und der Erde und wir gegen sein Wort sündigen. Die Folge davon ist der Tod.
“Die Kinder Levi taten, wie ihnen Mose gesagt hatte; und fielen des Tages vom Volk dreitausend Mann.” (32:28)
Obwohl die Kinder Israels zu diesem Zeitpunkt schon “erlöst” waren, starben sie trotzdem in ihren Sünden. Das gleiche wird mit denen passieren, die, obwohl sie Jesus nachgefolgt sind, in ihren Sünden bleiben oder zurückfallen, ohne Buße zu tun.
“Denn es ist unmöglich, die, so einmal erleuchtet sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe und teilhaftig geworden sind des heiligen Geistes und geschmeckt haben das gütige Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt, wo sie abfallen, wiederum zu erneuern zur Buße, als die sich selbst den Sohn Gottes wiederum kreuzigen und für Spott halten.” (Heb 6:4ff)
Wenn wir also die Geschichte vom Tanz um das goldene Kalb lesen, sehen wir nicht mehr auf den Splitter in dem Auge unseres Bruders, sondern wollen wir bestrebt sein, unseren eigenen Balken zu entfernen. Die jüdische Tradition besagt, das Mose am Tag von Pfingsten (Shavuot) das Gesetz bekam. Dieses Gesetz auf Steintafeln geschrieben, konnte jedoch keine Herzen verändern. Daher wurde der Neue Bund verheißen, in dem Gott sein Gesetz auf die Herzen schreiben wollte. (Jeremia 31:33ff)
Am Tag von Pfingsten empfingen die Jünger den Heiligen Geist, (Apg.2) der ihnen das Gesetz in das Herz schrieb. So wie am ersten Pfingsten 3000 Seelen starben, wurden am zweiten Pfingsten 3000 Seelen lebendig, die ihr Leben in die Hände Jesu legten.
Während die ersten Tafeln zerbrachen, blieben die zweiten. Mit diesen zweiten Tafeln trat das Volk in den Bund mit Gott ein. Kam Mose das erste Mal in Zorn vom Berg, kam er das zweite Mal in Herrlichkeit, das nicht einmal seine Brüder ihn anschauen konnten.
Wenn Mose nun, der nur das Gesetz auf den Tafeln erhielt, so vor Herrlichkeit schien, wieviel mehr sollten wir scheinen, die das Gesetz auf ihren Herzen geschrieben haben und erfüllt sind vom Heiligen Geist. Darum, wie der heilige Geist spricht:
“Heute, so ihr hören werdet seine Stimme, so verstocket eure Herzen nicht, wie geschah in der Verbitterung am Tage der Versuchung in der Wüste, da mich eure Väter versuchten; sie prüften mich und sahen meine Werke vierzig Jahre lang. Darum ward ich entrüstet über dies Geschlecht und sprach: Immerdar irren sie mit dem Herzen!
Aber sie erkannten meine Wege nicht, daß ich auch schwur in meinem Zorn, sie sollten zu meiner Ruhe nicht kommen.” Sehet zu, liebe Brüder, daß nicht jemand unter euch ein arges, ungläubiges Herz habe, das da abtrete von dem lebendigen Gott; sondern ermahnet euch selbst alle Tage, solange es “heute” heißt, daß nicht jemand unter euch verstockt werde durch Betrug der Sünde”. (Heb 3:7ff)