2.Mose 21:1 – 24:18

Mischpatim – Rechte

  • Torahlesung: 2.Mose 21:1 – 24:18
  • Haftaralesung: 1.Könige 12:1 – 17

Wenn wir diesen Wochenabschnitt lesen, ist es üblich – auf Grund der ‘trockenen’ Gesetzgebungen- ihn schnell zu überschlagen und ihn als ‘irrelevant’ zu sehen. In meiner Sicht jedoch, soll man ihn mehr wie ein Nachschlagewerk wiederholt lesen und benutzen, denn es werden hier über 52 Mitzwoth (Ge- und Verbote) eingeführt, meistens im moralischem und kriminellen Bereich, die noch heute in der Justiz als Grundlagen benutzt werden.

Wir ersehen beim Lesen, dass schon damals die Justiz Fall für Fall gründlich bearbeitete. Mose, der Gesetzgeber und Prophet aller Tagen, war in diesem Bereich heimisch, da er einst ein regierender Herrscher Ägyptens war.

Im Judentum, das noch viel nach dem Gesetz handelt, ist Mose der größte Gottesmann nach dem Messias. Wenn man den Name „Mose“, in Hebräisch Mosche, rückwärts schreibt, ergibt sich eines der Gottesnamen, „HaSchem“. Es steht geschrieben: „Und es stand in Israel kein Prophet mehr auf wie Mose“ (5. Mose 34,10), aber Gott wird einen rechten Propheten „wie Mose aus der Mitte eurer Brüder erstehen lassen“ (5. Mose 18,15+18) – ein Hinblick auf den Messias.

Kapitel 21

Nach der Gesetzgebung der Zehn Gebote, dem Dekalog, oder die Grundsätze gegenüber Gott und Menschen, lesen wir in unserem Wochenabschnitt über die praktische Anwendung dieser Gebote. Wir lesen über die n Menschenrechte und Schutz der hebräischen Sklaven; denen nach sechs Jahre erlaubt wird, frei ausziehen. Falls aber der Sklave aus Liebe zu seinem Herrn oder zu der ihm gegebenen Frau bleiben möchte, und ein ewiger Knecht werden will, soll sein Ohr als Kennzeichen mit einem Priem durchbohrt werden.

Sind wir nicht auch ewige Knechte Gottes, aus Liebe für unseren Herrn ?!

„Der Sklave aber bleibt nicht für immer im Haus; der Sohn bleibt für immer.“ (Johannes 8:35)

In diesem Abschnitt finden wir ebenfalls die drei Dinge, zu denen der Bräutigam an der jüdischen Hochzeit unter dem Baldachin von dem trauenden Rabbiner gegenüber der Braut verpflichtet wird. Vers 10 und 11: „ihre Nahrung, ihre Kleidung und den ehelichen Verkehr mit ihr“.

n Menschenrechte und Schutz des Menschenlebens; Wer einen hinterlistig totschlägt, soll sterben. Hier wie im vorigem Fall, geht man auch vom Allgemeinen ins familiäre Leben. Wer seine Eltern, Vater oder Mutter, schlägt, „muß getötet werden “, in hebräisch wiederholt mit: Mot ju mat!

Schlimmer noch! Sehen wir im Vers 17; wer seinen Eltern flucht, soll sterben. In unserer heutigen Welt wird das Grundgebot „Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit deine Tage lange währen…“ aus Kapitel 20 Vers 12 schon lange nicht mehr wahrgenommen. Fluchen und Schlagen der Eltern kommt in unseren Generation immer häufiger vor. Salomo schrieb schon in Sprüche 30:11 über eine Generation, die „den Vater flucht und die Mutter nicht segnet.“

Der wiederholte Ausdruck der strengen und „herzlosen“ Strafe „soll sterben“, in hebräisch Mot ju mat, wird durch das ewige Opfer – Jesus – aufgehoben.

Dies ist der Fluch des Gesetzes worüber Paulus spricht „Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist – denn es steht geschrieben: ‘Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!’“ (Galater 3:13) weiter steht „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!“ (Vers 10). Diese Ergänzung wird leider nicht oft in den Gemeinden zitiert. Hier verstehe ich ganz klar, daß wir durch das Blut Jesu vom Fluch losgekauft sind, aber die Pflicht des Gesetzes bleibt weiterhin bestehen.

Wollen wir nicht „groß heißen im Reich der Himmel“, so laßt uns „diese geringsten Gebote tun und Menschen so lehren.“ (Matthäus 5:19)

Das Wort Sklave in unserem Text heißt „Ewed“, es steht im Deutschem auch für Sklave, Knecht und Diener, d.h. wir werden im Ewed bleiben. Zu denen, die in Sünde leben, antwortet Jesus „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Sklave (=Ewed).“ (Johannes 8:34) und jetzt nach unserer Bekehrung zu Gott und Seinem Sohn als Erlöser „halte man uns: für Diener Christi (=Ewed)“ (1. Korinther 4:1) und in allem empfehlen wir uns als Gottes Diener.“ (2. Korinther 6:4)

In anderen Worten „Wir sind für ewig Ewed!”

Das Wichtige ist nur: für wen? Für Gott oder für die Sünde.

„Denn der als Sklave im Herrn Berufene ist ein Freigelassener des Herrn; ebenso ist der als Freier Berufene ein Sklave Christi.“ (1.Korinther 7:22)

Viele Rechte im kriminellen und moralischen Bereich finden wir heute in unserem juristischem System verankert. Wie über Mord, Diebstahl, Endschädigung, Mißbrauch an Mensch, Tier und Besitz. (Vers 19)

„Hexen sollen nicht leben.“ (22,17)

„Den Fremden sollst du weder unterdrücken noch bedrängen, denn Fremde seid ihr im Land Ägypten gewesen.“ (Vers 20) – hier sind auch Ausländer und Asylbewerber gemeint.

Anleihe an deinen Bruder (Volk) und an den Armen mit Zinszuschlag ist strikt verboten. (Vers 24)

In Vers 27 steht, man soll keinen Fürsten oder (Staats)Präsidenten fluchen – auch wenn es uns oft nicht paßt. Denn Gott setzt neue Herrscher ein und setzt sie auch wieder ab. (N.T.)

Kapitel 23

Faires Gericht verlangt Gott auf Erden. Waisen, Witwen und Armen sollen behandelt werden, wie alle anderen auch, ohne Sicht auf Position, Namen oder Einfluß. Denn „Bestechung blendet die Hellsehenden und verkehret die Worte des Gerechten.“

Leider sehen wir heute die oben stehenden Missetaten in unserer Gesellschaft tief verwurzelt. Es gibt keine Ordnung und klare Weisung (hebr. Torah), die mehr berücksichtigt wird. Auch als wiedergeborener Christ, wenn man in das Volk Gottes ‘hinein gepfropft’ wurde, wächst man im Glauben. Aber Glaube ohne Taten ist tot.

Wie das siebte Jahr zum Erlaßjahr und Ruhejahr aller Arbeit auf dem Feld von Gott befohlen wurde, folgt es ähnlich mit dem siebten Wochentag, der zum heiligen Ruhetag von Gott ausgerufen wurde – der sogenannte Schabbat.

Den Ursprung finden wir schon viel früher:

„Da waren vollendet die Himmel und Erde und all ihr Heer. Und Gott vollendete am siebten Tage sein Werk, das Er gemacht, und ruhte am siebten Tage von all seinem Werke, das er gemacht. Und segnete den siebten Tag und heiligte ihn…“ (1.Mose 2)

Also ist es der Schabbat den Gott als Wochentag heiligte und kein anderen Tag. Wie widmen wir uns an diesem heiligen Ruhetag? Mit einem Arbeitsverbot, so daß wir uns nur mit Gottes Wort beschäftigen können in Gebet und lesen der Bibel.

Dann werden die drei Wallfahrtsfeste: Pessach, Schawuoth und Sukkoth, aufgelistet. Nach der biblischen Jahreszählung fängt das Jahr im Monat Nissan an, dem Erlösungsmonat, und dann mit dem Pessach-Fest, das Befreiungsfest von der Sklaverei der Kinder Israels aus Ägypten. Nach fünf Wochen folgt das Wochenfest, Schawuoth, an dem Gott sein Gesetz (Torah) am Berg Sinai dem Volk offenbarte. Das dritte Wallfahrtsfest erinnert uns noch heute an die 40 Jahre Wüstenwanderung, wo das Volk in (Laub)hütten saß und wohnte, darum Laubhüttenfest oder Sukkoth genannt.

Nach all den Anordnungen, Regeln und Gesetze fragt man sich – wie werde ich es schaffen?

Gott beauftragt uns nicht etwas unmögliches zu tun, sondern gibt uns immer einen Weg. Gott läßt Sein Volk und die an Ihn Glaubenden niemals im Stich. Gott tröstet Sein Volk mit den Worten:

„Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, dich zu bewahren auf dem Wege und dich zu bringen an den Ort, den ich bereitet habe.“ (Vers 20)

Was für einen Trost?! Das können wir auch für unser persönliches und gemeinsames Leben mit Gott annehmen.

Das Einzige was Gott von uns verlangt – wie auch damals von seinem Volk Israel beim Auszug aus Ägypten – ist:

„Laß mein Volk ziehen, daß sie mir dienen.“ (2.Mose 9,1+13)

Ja, wir sollen Gott allein dienen, Seine Knechte und Diener werden.

Gott wiederholt die Landverheißung und das Besitzrecht der Israeliten (Israelis heute) über das frühere Land Kanaan, von nun an das Gelobte Land Eretz Israel genannt. Aber warnt vor: „…denn ich werde in eure Hände geben die Bewohner des Landes, daß du sie austreibst vor dir..”

So spricht Gott? Heute hätten alle Menschenrechtsorganisationen und Medien weltweit verrückt gespielt.

Aber Gott ist nicht humanistisch, seine Wege sind göttlich und für ewig. Er sieht die Gefahren schon im Voraus! Darum folgt der Vers:

“ Schließe mit ihnen und ihren Göttern keinen Bund. Sie sollen nicht in deinem Lande wohnen, daß sie dich nicht zur Sünde verleiten gegen mich; …denn sie werden dir zum Fallstrick sein.“ (23:31-33)

Hier sehe ich für mein Land, Israel, in Bezug Nahostpolitik auch heute die gleiche Gefahr.

Kapitel 24

Nachdem das Volk getrost ‘aufatmen’ kann, da sie den Beistand durch einem Engel bekommen (wie wir heute durch den Heiligen Geist), der ihnen den Weg zeigt und dem Volk, solange sie auf dem HErrn trauen, Sieg über die sieben Völker Kanaans versprochen wurde, sagte das Volk einmütig:

da antwortete das ganze Volk mit einer Stimme und sprach:

„Alles, was der Ewige geredet, WOLLEN WIR TUN UND GEHORCHEN!“ (Vers 3+7)

Das ist in meinen Augen der Höhepunkt, den das Volk erreichte nachdem es aus Ägypten auszog, darum – laut jüdischer Auslegung – befand sich das jüdische Volk in diesem Moment am Berg Sinai in der höchsten Stufe der Heiligung. Und so wie sich die Generationen entfernen, so erniedrigt sich auch die Stufe der Heiligkeit.

Zu gleicher Zeit ist menschlich gesehen das Statement „Wollen wir tun und (dann) gehorchen!“ unlogisch. Normalerweise hört man erst um was es geht und erst dann tut man etwas. Aber Gott verlangt es gerade umgekehrt, sonst wäre es kein Glaube. Der Glaube an Gott und Seine Verheißungen ist ein Glaube an – noch – Unsichtbares und Verborgenes. Weil glauben an das was du sehen und spüren kannst, ist nichts Besonderes.

Das Volk Israel – zum ersten Mal als Volk und Nation – verpflichtet und bekennt sich am Berg Gottes mit Worten:

„Wir wollen tun und (dann) gehorchen (oder hören).“

In Hebräisch heißt es kurz: Na’asse we nischma!

Es gibt eine Sage, die sagt, es wurde beiden, den Heiden und den Juden, die Gesetze und Rechte am Berg Sinai vorgelegt. Die Heiden (Gojim) suchten die Logik und antworteten: „Nischma we na’asse! (dt. (erst) hören wir dann wollen wir tun) und die Juden aber antworteten erst mit dem Tun. Deshalb erwählte Gott die Kinder Israel zu Seinem Volk.

Wir aber wissen, daß Gott Israel erwählte „um Seinen Namen unter den Völkern zu verherrlichen“.

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