2.Mose 1:1 – 6:1
Shemot – Namen
- Torahlesung: 2.Mose 1:1 – 6:1
- Haftaralesung: Jesaja 27:6-13 | 29:22-23
Übersicht:
- Die Kinder Israels geraten in Knechtschaft.
- Geburt Mose.
- Mose erschlägt einen Ägypter und muß fliehen.
- Gott beruft Mose.
- Berufung des Mose wird durch Zeichen bestätigt.
- Aaron wird Mose zur Seite gestellt.
- Mose kehrt nach Ägypten zurück.
- Aaron und Mose vor dem Pharao.
- Israel erhält nach schwerere Arbeitsbedingungen.
- Haftara: Israels erneute Berufung und Widerbelebung.
Mit dem Rutsch ins Zweite Jahrtausend, beginnt das jüdische Volk das Zweite Buch Mose, hebr. Schemot (Namen), in den Synagogen zu lesen. Das Zweite Buch Mose dreht sich hauptsächlich um den Auszug der Kinder (Söhne) Israels aus Ägypten, deshalb im Englischen Exodus genannt.
(Interessant: Das neue Millennium beginnt mit einem Schabbat – Gottes heiliger Ruhetag)
Es ist nicht nur ein physischer Auszug sondern auch eine Befreiung von der Sklaverei des sündige Lebens. Gott erwählte Sein Volk, ein heiliges und abgesondertes Volk unter den Nationen zu sein.
Kapitel 1
Die politische und sozial-demographische Lage im ägyptischen Reich hat sich geändert. Das schöne bequeme Leben der Juden in der Diaspora ist vorbei, Gott bereitete ein Gelobtes Land für sie. Es geschah in eine Generation, die nicht mehr die guten Taten Josefs, der zu Rechte des Pharaos war, kannten. (1:8)
Wir sehen den Grund – der durch alle Generationen gleich blieb - Heiden fürchten der Vermehrung und Verstärken der Juden unter den Völker. Im Wahren ist es ein grundlose Gefahr vor eine sogenannte ‘Weltverschwörung’ seitens der Juden. Ein Vorurteil ohne Grund, der – leider – noch heute gegen Juden gerichtet wird.
Gedanke zum Nachdenken: Nirgends findet man in jüdischer Liturgie und Schriften einen Hinweis zu solcher Tendenz und Vorhaben – im Gegenteil – es waren die Heiden (Ägypter, Römer, Griechen bis zu den deutschen Nationalsozialisten etc.), die Weltreiche erzielten. Das Volk Israel war von Gott zum „Licht für die Völker“ erwählt und befohlen, so daß dadurch der Name Gottes weltweit verherrlicht werden kann.
Aus 70 Seelen Jakobs (vgl. 1. Mose 46:26-27) die wegen Hungersnot z.Zt. Josef nach Ägypten zogen, vermehrten sie sich in Hunderte Tausende und „wurden sehr, sehr stark“. Dies störte den neuen Pharao.
Die Unterdrückung fing an.
Es beginnt immer mit hohen Sondersteuer, die die Juden (damals Hebräer) den Herrschern zahlen mußten. In der Geschichte hat sich diesbezüglich nichts vieles geändert. Schauen wir nur ca. 55 Jahre zurück, auch Hitlers Regime legte anfangs Sondersteuern auf den Juden.
Zweite Unterdrückungsphase.
Last- und Zwangsarbeit mit ägyptischen Aufseher á la Kappo (1:14). In Neuzeit nur Arbeitslager genannt. Die Ägypter „machten ihnen das Leben bitter durch harte Arbeit an Lehm und an Ziegeln…“
Dritte Phase.
Vernichtung durch Mord. Mord an neugeborenen Söhnen der Hebräer. In der Grausamkeit und Wahn, finden wir hier eine mutige Oskar Schindler-Geschichte von Zivilcourage, der beiden ägyptischen Hebammen Schifra und Pua, die trotz Befehl des Pharaos: Tötung nach der Entbindung alle männliche Babys der Hebräerinnen, es nicht taten. Die Töchter waren verschont.
Heiden halfen und retteten Juden in Zeiten der Verfolgung, wodurch sie auch ihr eigenes Leben riskierten. Es steht geschrieben, das die Hebammen Gott fürchteten und noch den Mut hatten dem Pharao einzureden:
„Ja, die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind kräftig; ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie schon geboren.“
Das sind die drei Stufen der Unterdrückung und Verfolgung von Juden und gläubigen Christen den über 2000 Jahre Geschichte hindurch.
Doch Jahre davor sorgte Gott für eine Lösung. Die Geburt Mose und in unseren Zeiten der Beginn der Zionistischen Bewegung schon Ende des 19. Jahrhundert. So kommen wir zu Kapitel 2.
Kapitel 2
Die Geburt des kommenden Führers und Propheten Israels, Mose. Mose konnte nach seiner Geburt überleben, dank solcher Zivilcouragen einzelner Nichtjuden, die es wagten den Juden beizustehen. Nach drei Monaten legte Moses Mutter Jochewed ihren Sohn in ein Kästchen aus Schilfrohr und setzte es in den Nil.
Die Tochter des Pharaos und ihre Dienerinnen, die im Nil badeten, nahmen es auf und erkannten sofort das es ein Kind der Hebräer ist. Warum? Sie erblickten die Beschneidung (Brith Mila) an dem Knaben (2:6), die seit Abraham allen Israeliten zum Bund gekennzeichnet wurde. Mose wurde der Tochter Pharaos zum Sohn. Sie gab in den Namen „Mose“, das soviel wie, aus dem Wasser gezogen bedeutet.
Mose floh nach Midian, nachdem bekannt wurde, daß er einen ägyptischen Aufseher tötete. Er hatte trotz des Aufwuchs als Ägypter den Kontakt und das Herz zu seinem Volk nicht verloren. Seine eigene Volksgenossen verrieten ihn, so daß er fliehen mußte. In Midian, begegnen wir wieder Mose der Mitleid zeigt für Machtlose und Unschuldige. Erst den erschöpften Sklave in Ägypten und jetzt sind es die sieben Frauen am Brunnen, die er verteidigte. Als Dank, bekam Mose Zippora zu Frau, die Tochter Jitros der Priester von Midian.
Der alte Pharao starb. Ramses übernahm den Thron.
Kapitel 3
Mose war derzeit Hirte. Interessant ist, daß Gott viele Hirten zu großen Führern des Volkes erwählte, wie David, Abraham und Jesus, der als guter Hirte verglichen wird. Durch das Weiden der Herden, lernt der Hirte, und bekommt den Charakter eines Führer, durch Kümmern, Versorgen und Führen der Schafe.
Jetzt ist es so weit. Mose wurde von Gott berufen. Es geschah auf dem Berg Horeb. Mose erhielt seine Berufung durch einen brennenden Dornbusch, der aber unverzehrt blieb – was Mose stutzig machte. Mose stand auf heiligen Boden – darum Schuhe ‘runter! Mose antwortete Gott mit: „Hier bin ich! (Hineni!)“ (3:4).
Der Herr aber sprach: „Gesehen habe ich das Elend meines Volkes in Ägypten, und sein Geschrei wegen seiner Antreiber habe ich gehört; ja, ich kenne seine Schmerzen.“ (3:7) (vgl. 2:24 – Gott sah und hörte.)
Was für einen barmherzigen und treuen Gott haben wir. Und der Grund: Gott blieb und bleibt durch all den Generationen Seinem Bund, den Er mit Abraham, Isaak und Jakob schloß, treu. Auch wenn wir oft untreu sind und Gott enttäuschen. Gottes Heilsplan für Sein Volk, Juden und hineingepropfte Christen, besteht für Ewig – „zur Verherrlichung Seines heiligen Namen“.
Auch wenn es uns manchmal zulange dauert, Er übersieht nicht unser Flehen und Gebet. Er sucht den richtigen Moment, dann greift Er ganz plötzlich ein.
Nachdem Mose seine von Gott gegebene Aufgabe hörte und was Gott alles mit ihm vor habe, fing er an zu zweifeln und zu stottern. Der einzige Trost, den ihn Gott gab, war „Ich werde mit Dir sein!“ (3:12)
Ein Hinweis: Mose kam aus dem reichen Hause Ägyptens und mußte für 40 Jahre in die Wüste geschickt und dem Volk gleichgestellt werden, um gemäß Plan das Volk zu erretten.
Josef jedoch kam aus dem armen Hause Jakobs und wurde laut Plan Gottes nach Ägypten verschleppt und dem Ägyptern gleichgestellt, um auch wieder das Volk vor Hungersnot zu retten. Wir sehen hier, Gott benutzt verschiedene Weg – Seine Wege – für einen Ziel: Sein Volk aus der Not zu retten.
Gott gab Mose einen Stab, mit dem er Wunder tun soll und den Göttern Ägyptens siegen.
Moses “PR-Slogan” vor seinen Brüdern in Ägypten war:
„Gott, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name in Ewigkeit, und das ist meine Benennung von Generation zu Generation.“ (3:15)
Gott war bewußt, daß es für Mose nicht leicht wird. Der neue Pharao hat ein steiniges Herz und um so mehr man ihn mit Plagen trifft, so verhärtet sich sein Herz den Sklaven gegenüber.
“Aber Gott wird sein Volk ausziehen lassen, und sogar mit vollen Händen.” (3:21-22)
Kapitel 4
Moses Beglaubigung durch Zeichen vor dem Volk. Nachdem Gott Mose mit Hilfe des Stabes überzeugte, das das Volk Israel auf ihn hören wird, kam jetzt Mose selbst dran. Jetzt wurde es ernst, Mose began zu zittern:
„Ich bin kein redegewandter Mann.. denn unbeholfen ist mein Mund und meine Zunge.“ (4:10)
Auch für dies fand Gott eine Lösung. Er stellte ihn Aaron seinen Bruder zu Seite:
„er wird für dich zum Mund sein.“ (4:16)
Gott gab das Grüne Licht und Moses Abschied nähert sich.
„Ich möchte gern gehen und zu meinen Brüdern zurückkehren, die in Ägypten sind, um zu sehen, ob sie noch am Leben sind.“, bat Mose von seinem Schwiegervater Jitro. Jitro stimmte zu. Auch dies ist ein Zustimmung, daß die Berufung von Gott wahr ist. Wenn der Mitmensch, Ehefrau, Verwandte oder Freunde, deinen Ruf nicht blockieren und hindern.
Ein weitere Hinweis: Wir lesen, dass der Pharao ein hartes Herz hatte und wir wissen, dass das jüdische Volk von Natur aus hartnäckig ist.
Ja, mit diesen Publikum, einerseits ein hartherziger Herrscher und auf der anderen Seite ein hartnäckiges Volk, mußte sich Mose zurecht finden – aber Gott half ihm.
Ich hatte das Vorrecht an der feierlichen 100. Schiffahrt von Ebenezer am 4. Dezember teil zu nehmen. Ich erlebte in der Ukraine das Einsammeln und das Zureden von Olim (jüd. Neueinwanderer) ins Gelobte Land einzuwandern aus der Nähe. Man spürte die Hartnäckigkeit der Juden, wie z.B. ‘sollen wir mit dem Risiko umgehen, um mit ins noch unbekannte Land Eretz Israel ziehen?’. „Wer garantiert uns, daß es uns besser gehen wird?“ waren die Argumente vieler Olim.
Ich glaube ähnliche Konfrontationen hatte auch Mose.
Kapitel 5
Erste Präsentation Mose und Aaron vor dem Pharao. „Laß man Volk ziehen!“ waren die Worte Mose. Des Pharaos Antwort:
„Wer ist der Herr, daß ich auf seine Stimme hören sollte…Ich kenne den Herrn nicht und werde Israel auch nicht ziehen lassen.“
Ehrlich gesagt, wie sollte der Pharao Ihn auch kennen? Nie hat sich Gott den Ägyptern vorgestellt oder große Wunder getan, so daß man an Ihn glauben soll.
Hier begann ein Machtkampf zwischen dem Pharao und dem Gott Israel, und Seinem Vermittler Mose. Das Resultat an Ort war: Der Pharao verhärtete das Sklavenleben der Söhne Israels. (5:6-8)
Hier war ein Versuch Pharaos die Kinder Israel gegen Mose zu stellen. Mose sei der Grund der verhärteten Zwangsarbeit und das Volk verliert Vertrauen zu Mose und Gott, den er repräsentiert. So sind auch die schlichten Wege des Teufels, die Gesandten und Vermittler in Augen der Brüder schlecht zu machen – es wirkt indirekt gegen Gott.
Es war Moses erste Enttäuschung und wahrscheinlich entfernte er sich kurz von Gott, denn es steht geschrieben in Vers 22 „Mose kehrte wieder zum HErrn zurück“. Das Zurückkehren oder Umkehr im Hebräischen deutet auf eine innerliche Umkehrung Teschuwa. Mose hatte Warum-Fragen an Gott, das ist auch für uns Gläubige legitim und erlaubt. Gott sucht den persönlichen Kontakt mit seinen „Auserwählten“.
Wir erlebten in unserer Parascha einen kompletten Ablauf einer von Gott gegebenen Berufung und seine Folgen – menschlich und göttlich gesehen. Es soll uns ein Trost sein, besonders zum Neuen Jahrtausend, das Gott Seinen Heilsplan in der Welt durchbringen wird – auf SEINEN Wegen!