3.Mose 16:1 – 18:30

Ahare Mot – Nach dem Tod

  • Torahlesung: 3.Mose 16:1 – 18:30
  • Haftaralesung: Hesekiel 22:1-19

Übersicht:

  • Yom Kippur.
  • Opferorte.
  • Verbot des Verzehrs von Blut und Aas.
  • Verordnungen über Sexuelle Parktiken.

Nach insgesamt fünf Kapiteln über Reinheit und Unreinheit, folgt direkt ein ganzes Kapitel (K.16) über den Versöhnungstag, Yom Kippur.

Der Versöhnungstag ist heute im jüdischen Kalender der wichtigste Tag im religiösen Jahr. Er findet in der festlichsten Zeit des Jahres statt. Am 1. Tishri (im Herbst) startet der Monat mit dem jüdischen Neujahrsfest Rosh HaShana (wörtlich: Kopf des Jahres). Am 10. Tishri folgt Yom Kippur und kurz danach Sukkot, das Laubhüttenfest, welches mit dem Freudenfest über die Torah – Simcha Torah – beendet wird.

Während man heute viele Fest noch relativ authentisch feiern kann, wie z.B. Passah, oder das Laubhüttenfest, ist es heute einem religiösen Juden vollkommen unmöglich Yom Kippur biblisch zu feiern. Anstelle der biblischen Gebote , die verschiedene Opfer fordern, sind nach der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 nur noch Gebete übriggelieben, um für alle begangenen Sünden des vergangenen Jahres eine „Generalvergebung“ zu bekommen.

Yom Kippur ist daher so wichtig, da es der Tag ist, an dem Gott sein Volk von ALLEN begangenen Sünden freispricht.

„Denn an diesem Tag wird man für euch Sühnung erwirken, um euch euch zu reinigen: von allen Sünden werdet ihr rein sein vor dem HERRN.“ Levitikus 16:30

In vielen Gesprächen mußte ich immer wieder feststellen, das Gläubige ein verschiedene Vorstellungen über Gott „aus dem Alten Testament“ und „aus dem Neuen Testament“ haben. Sehr häufig gibt es ein Bild des „zornigen Gottes“ im Alten und das Bild des „gnädigen Gottes“ im Neuen Testament.

Yom Kippur war und ist immernoch das Zentrum der Gnade Gottes im Alten und im Neuen Testament. Auf Grund seiner Liebe hat Gott uns einen Tag geschenkt, an dem er uns von aller unserer Sünde reinigt. Über die bewußt oder unbewußt begangenen, über die mutwilligen oder unbeabsichtigten, ja sogar über die Sünden, von denen wir gar nichts wissen, gebietet er einen Tag im Jahr, an dem er uns von diesen freimacht.

Welch eine Gnade!

Yom Kippur war der einzige Tag im Jahr, an dem der Hohepriester als einziger Priester überhaupt, vom Heiligtum in das Allerheiligste im Tempel hineingehen konnte. Es war der einzige Tag im Jahr, an dem er direkt vor dem Gnadenthron Gottes stand, der Deckplatte über der Bundeslade, auf der Gott in einer Wolke erschien (16:2).

Um in das Allerheiligste hineingehen zu können, mußte er strengen Reinigungsvorschriften befolgen und nach verschiedenen Traditionen band man dem Hohenpriester sogar eine Leine um seine Hüfte, damit man ihn notfalls herausziehen konnte, wenn er in der Gegenward Gottes sterben würde.

Das Besondere am Versöhnungstag ist, das es zwei verschiedene Opfer gab, wobei das eine geschlachtet, das andere jedoch in die Wüste geschickt wurde.

Jedes Jahr stellte der Hohepriester zwei Ziegenböcke vor den HERRN und warf ein Los darüber, welcher Bock in die Wüste ging und welcher geschlachtet wurde.

Während das Blut des geschlachteten Bockes Sühnung erwirkte, trug der andere Bock die auf ihn gelegte Sünde in die Wüste.

In der gleichen Wochenlesung finden wir den Grund für die Darbringung von Tieropfern.

„Denn die Seele des Fleisches ist in im Blut, und ich selbst habe es euch auf den Altar gegebenm Sühnung für eure Seelen zu erwirken. Denn das Blut ist es, das Sühnung tut durch die Seele in ihm.“ (17:11)

Sünde ist etwas Schreckliches. Nicht nur, das sie uns von Gott trennt, sondern die begangene Sünde bringt Gottes Todesurteil über uns.

„Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie Sünde hervor; die Sünde aber wenn sie vollendet ist, den Tod.“ (Jakobus 1:15)

Damit wir nicht im Unklaren darüber sind, was Sünde ist, hat uns Gott seine Torah gegeben. D.h. jedesmal, wenn ich den Standard welchen Er gesetzt hat verfehle, sündige ich und bin des Todes schuldig.

„Jeder der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit, und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit.“ (1.Johannes 3:4)

Da er jedoch ein liebender und gnädiger Gott ist, hat er einen Weg bereitet, um uns aus diesem „Problem zu erretten” Jesus.

Jesus ist nicht nur unser Passahlamm, dessen Blut auf die „Türpfosten unseres Herzens“ gestrichen Gott veranlast am Tag des Gerichts über uns hinwegzugehen, sondern er ist auch der Ziegenbock, der unsere Sünden in die Wüste trägt, wo Gott nicht mehr an sie denkt und er ist ebenfalls unser Hoherpriester, der das geforderte Blut auf den Gnadenthron Gottes sprengt.

„Christus aber ist gekommen als Hoherpriester der zukünftigen Güter und ist durch das größere und vollkommenere Zelt – das nicht mit Händen gemacht, das heißt, nicht von dieser Schöpfung ist – und nicht mit Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen und hat uns eine ewige Erlösung erworben.“ (Hebräer 9:11-12)

Während wir Jesus als unser Passahlamm am Tag des Gerichts anrufen können, hat er schon jetzt unseren Yom Kippur, unserern Versöhnungstag mit Gott ein für allemal „erledigt“.

Sicherlich ist es für viele ungewöhnlich, Jesus in dem Bild eines „Bockes“ darzustellen, jedoch:

„Ein Lamm ohne Fehler, ein männliches, einjähriges, soll es für euch sein; von den Schafen oder von den Ziegen sollt ihr es nehmen.“ (Exodus 12:5)

Ein Lamm konnte also sowohl von den Schafe als auch von den Ziegen sein. Jesus als das Lamm Gottes erfüllt also die Forderung sowohl eines Opferschafes, als auch eines Bockes.

Eine interessante Begebenheit erzählt uns der Talmus im Traktat Joma93b. In den vierzig Jahren vor der Zerstörung des zweiten Tempels kam es nicht mehr vor, das das Los für das Opfer für den HERRN in die rechte Hand des Priester fiel. Weiterhin färbte sich die rote Schnur, die zwischen die Hörner des Bockes gebunden wurden, der in die Wüste geschickt worden nicht mehr weiß, als Zeichen der Vergebung Gottes und die Tür durch die der Sündenbock in die Wüste geschickt wurde öffnete sich nicht mehr automatisch.

Obwohl diese Zeichen so sehr auf Jesus und sein Blut hinweisen, um unsere Schuld am unserem Yom Kippur zu vergeben, liegt eine Decke auf den Augen unserer Brüder aus dem Hause unseres Herrn. Wie gut, das Gott in seiner Gnade einen anderen Tag bestimmt hat, an dem ganz Israel errettet wird.

„Aber über die das Haus David und über die Bewohnerschaft von Jerusalem gieße ich meinen Geist der Gnade und des Flehens aus, und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man über den Erstgeborenen weint… An jenem Tag wird für das Haus David und die Bewohner von Jerusalem eine Quelle geöffnet sein gegen Sünde und gegen Befleckung.“ (Sacharja 12:10 + 13:1)

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